Der Umgang mit technischen Indikatoren

Umgang mit Indikatoren Wenn Sie mit anderen Tradern diskutieren, hören Sie sicher oft Meinungen zu Indikatoren. Egal ob Aktien, Forex oder CFDs gehandelt werden: Einige favorisieren den MACD, andere schwören auf Bollinger Bänder und den RSI. Wenn Sie genau dieselben Personen nach paar Monaten wieder treffen, dann sind diese vielleicht bei Ichimoku oder Elliot Waves angekommen. Häufig wird dann noch über die korrekten Parameter für die eingesetzten Indikatoren gestritten.

Anfangs wirkt das so einfach. Jedes moderne Tradingplattform bietet Dutzende oder sogar Hunderte dieser technischen Indikatoren. Mit einem einfachen Mausklick können Sie diese auf den Chart anwenden. Sie erhalten je nach Indikator Signallinien, kleine bunte Pfeile die Kauf- oder Verkauf anzeigen und vieles mehr. Besonders Anfänger sind begeistert, da dies eine schnelle und einfache Möglichkeit des Tradings verspricht.

Wenn Sie die Fürsprecher eines Indikators fragen, warum er eingesetzt wird, so bekommen Sie oft viele Charts gezeigt mit Kommentaren wie „Das sieht man doch, hier kreuzt der MACD die Signallinie, und genau hier hätte man long gehen können und gut verdient.“. Oft sieht man Charts, die mit mehreren Indikatoren überladen sind, nach der Devise "Viel hilft viel". Die Fehlsignale werden entweder ignoriert oder wegdiskutiert „Na das sieht man doch klar, dass es hier nicht weitergehen kann.“. Bald merken diese Trader, dass sie mit dieser Methode kein Geld verdienen. Ein weiterer Fehler ist es Indikatoren einzusetzen, deren Funktionsweise Sie nicht komplett nachvollziehen können.

Über den Sinn und Unsinn von Indikatoren wird lange und kontrovers diskutiert. Ich persönlich halte den Einsatz der meisten Indikatoren für überflüssig oder sogar kontraproduktiv. Viele Indikatoren haben in statistischen Tests keinen Mehrwert für das Trading gezeigt. Bedenken Sie: Fast alle Indikatoren berechnen sich nur aus Daten, die Sie eh schon im Chart sehen, Preis und Volumen. Sie fügen keine neuen Informationen hinzu, sie bereiten nur die Daten anders auf. Eine sehr kleine Klasse von Indikatoren, die von Privathändlern so gut wie nie verwendet wird und in kaum einem Tradingprogramm auftaucht, blendet Daten von externen Quellen ein und reichert damit tatsächlich neue Informationen an. Ein Beispiel dafür ist die Anzeige des Open Interest von Optionen in einem DAX Chart. Damit wird sichtbar, wo große Marktteilnehmer vermutlich aktiv werden, um ihre Positionen zu sichern.

Ein typischer Fehler: Ausschließliche Konzentration auf den Einstieg

Ein weit verbreiteter Fehler von Daytrading Anfängern ist, dass Sie sich zu sehr auf das "perfekte" Einstiegssignal konzentrieren. Mittels Kombinationen von Indikatoren wird probiert, diesen Punkt genau zu bestimmen. Dabei wird vergessen, dass für den Erfolg zwei weitere Punkte viel wichtiger sind:

  • Die Ausstiegslogik: Bevor Sie einen Trade eingehen sollen Sie festlegen, wie Sie wieder aus dem Trade aussteigen wollen. Wo liegt Ihr Stop Loss, also der Punkt bei dem Sie im Verlustfall aussteigen. Wo möchten Sie aus dem Trade im Erfolgsfall aussteigen? Ist dies ein fixes Take Profit Limit, ein Trailing Stop loss oder ein zeitbasiertes Limit?

  • Die Bestimmung der Positionsgröße: Der zweite wichtige Punkt ist die Festlegung der Positionsgröße. Zusammen mit dem oben erwähnten Stop Loss Limit legen Sie damit Ihr maximales Risiko fest. Die Positionsgröße darf nicht zu groß gewählt werden, sonst verlieren Sie im Fall dass der Trade gegen Sie läuft zu viel Geld. Allerdings darf sie nicht zu klein sein, sonst verdienen Sie im Erfolgsfall zu wenig an jedem Trade.


Prüfen von technischen Indikatoren

Sollten Sie Indikatoren einsetzen wollen, probieren Sie doch mal folgende Vorgehensweise:

  • Bevor Sie einsteigen, drucken Sie sich einen Chart mit den zu testenden Indikatoren aus
  • Zeichnen Sie ein, welches Signal Sie handeln (Kreuzen von Signallinien, …)
  • Beschreiben Sie kurz, welches Szenario Sie daraus entstehen sehen (Anstieg des DAX in einer Impulsbewegung, …)
  • Zeichnen Sie je nach Szenario Ihre schlimmste Befürchtung und Ihr erwartetes Ziel ein
  • Nach Schließen des Trades drucken Sie sich den Chart erneut aus
  • Vergleichen Sie Ihre Erwartungen mit der Realität
Und wozu das Ganze? Lernen Sie daraus! Menschen tendieren dazu, das Versagen einer Handlung (hier: Handeln wegen eines Indikatorsignals) zu vergessen bzw. zu verdrängen und die Male, wenn es geklappt hat, überproportional stark in Erinnerung zu behalten. Entweder interpretieren Sie die Signale falsch oder der von Ihnen gewählte Indikator hat keinerlei Aussagekraft für das von Ihnen gehandelte Instrument.

Und nicht zuletzt: Nutzen Sie eine Suchmaschine, um den von Ihnen untersuchten Indikator zu suchen. Für viele Indikatoren gibt es Studien, welche die Prognosekraft statistisch untersucht haben. Bedenken Sie dabei, dass Märkte sich ändern. Eine viele Jahre alte Studie kann heute schon wieder überholt sein.

Fazit

Der Einsatz von Indikatoren kann hilfreich sein, um bestimmte Marktsituationen schneller zu erkennen. Sie sind ein Hilfsmittel, das Sie einsetzen können, wenn Sie sich der Grenzen bewusst sind. Sie haben keine Prognosekraft, sondern stellen nur schon im Chart enthaltene Informationen anders dar. Beim vollautomatischen Handel erleichtern sie die Umsetzung der Tradingstrategie. Wenn Sie einen bestimmten Indikator verwenden, sollten Sie die Berechnung und Funktionsweise und damit die Schwächen genau kennen.