Das Auswerten von Handelssystemen - Zufallstreffer ausschließen

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In diesem Artikel möchte ich Ihnen eine Idee und eine kurze Anleitung zum Auswerten von Handelssystemen, seien es manuelle oder automatische, geben. Von den verschiedenen Handelsplattformen und Tradingprogrammen erhalten Sie Statistiken zur Beurteilung Ihres Handelns. Oft sind diese aber sehr simpel und es fehlen wichtige Kennzahlen, die zur Optimierung wichtig sind. Diese Analysen können Sie sowohl für das Daytrading, als auch für längerfristiger handelnde Systeme durchführen.

Warum sollten Sie Ihre Trades tiefer analysieren? Nun, jeder Daytrader möchte ja ein stabiles, reproduzierbares System handeln. Umso ehrlicher Sie zu sich selber sind, umso besser werden Sie auf lange Sicht traden. Klar, das ist ein wenig Arbeit und auch ein wenig Mathematik - aber es lohnt sich. Für den Test von Tradingrobotern sind solche Auswertungen unbedingt notwendig!

Betrachten wir die Verteilung von Gewinn und Verlust in einem Handelssystem. Nehmen wir an, Sie haben ein System ein paar Monate gehandelt und eine Liste an Profit (P) und Loss (L) über einige Trades erstellt. Natürlich können Sie sich erst mal anschauen, welche Summe P - L = Gewinn das Systems ergibt. Viele Entwickler und Trader machen nur das und sind dann erstaunt, dass ihr System im Livebetrieb Geld verliert.

Es kann sein, dass ein System nur deswegen profitabel aussieht, weil es ein paar wenige Zufallstreffer im Betrachtungszeitraum hatte. Wenn Sie diese Möglichkeit ignorieren kann es sein, dass Sie die möglichen Risiken und Erträge falsch einschätzen. Außerdem kann dies dazu führen, dass die Berechnungsgrundlage für mögliche Stop Loss Punkte und die Positionsgröße nicht korrekt ist.

Anleitung

Die Durchführung der Analyse ist mit einem Tabellenkalkulationsprogramm wie Microsoft Excel oder freien Alternativen schnell und einfach durchzuführen.

  • Sie nehmen eine Liste an Gewinnen und Verlusten über eine genügend große Anzahl an Trades (mehr als 50 sollten es schon sein). Diese Zahlenreihen können Sie aus den Berichten Ihres Tradingprogramms entnehmen. Positive Zahlen zeigen einen Gewinn, negative einen Verlust. Kopieren Sie diese dann in eine Reihe von Excel. Nehmen wir mal an, die Zahlen sind in den Zellen A1 bis A100.

  • Berechnen Sie die Standardabweichung der Reihe. In Excel geht das mit der Formel =STABW(A1:A100). Diese Formel können Sie in einer beliebigen freien Zelle einsetzen.

  • Das Ergebnis wird dann mit 3 multipliziert. Entfernen Sie alle Gewinne und Verluste, die über oder unter diesem Wert liegen aus der Betrachtung - sie werden als Ausreißer oder Zufallstreffer des Handelssystems betrachtet.

  • Aus der verbleibenden Reihe ohne diese Werte berechnen Sie den bereinigten Gesamtgewinn. Sieht das System nun noch immer so gut aus?

Es gibt noch weitere Methoden, Zufallswerte aus Zeitreihen auszuschließen. Oft sind diese aber komplizierter durchzuführen. Die beschriebene Methode können Sie mit ein wenig Übung sehr schnell und einfach durchführen.

Beispiel

Im folgenden Diagramm sieht man ein Beispiel, das die P/L Verteilung eines meiner automatisch gehandelten Systeme über 80 Trades zeigt. Die Grafik wurde ebenfalls mit Excel erzeugt. Man sieht deutlich, dass bei ca. -5 der initiale Stop Loss die Verluste hart begrenzt. Einige Gewinne lagen deutlich über dem Schnitt, waren also eher zufällig so gut. Die Standardabweichung ist 6.11, multipliziert mit 3 ergibt 18.33. Alle Trades mit Gewinnen über 18.33 werden also ignoriert.


PL Verteilung


Eine weitere wichtige Auswertung in Handelssystemen ist die Betrachtung MAE und MFE. Diese erfordert ein wenig mehr Mühe, kann aber wichtige Hinweise zur Verbesserung des Risikomanagements geben.



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