Die NYSE Circuit Breaker

Sicherungen

An der New York Stock Exchange (NYSE) gibt es seit 1989 die sogenannte "Circuit breaker" Regelung (NYSE Rule 80B), oft auch "trading curbs" genannt. Diese Sicherungen sollen dazu dienen, sehr starke Rückgänge des Marktes zu beruhigen und einen Börsencrash zu verhindern. Ab einem gewissen prozentualen Rückgang des S&P 500 Index wird der Handel am gesamten Markt abhängig von der Tageszeit für eine bestimmte Zeit ausgesetzt. Für den entgegengesetzten Fall, einen Anstieg des Gesamtmarkts um einen bestimmten Wert, gibt es keine Regelungen.

Die Warenterminbörse Chicago Mercantile Exchange (CME) hat ein ähnliches System eingeführt und dabei die Limits der NYSE übernommen. Zusätzlich gilt ein Limit von plus oder minus 5% für den außerbörslichen Handel.




09:30 - 15:25 EST 15:26 - 16:00 EST
7% Rückgang (Level 1 Trigger) 15 Minuten -
13% Rückgang (Level 2 Trigger) 15 Minuten -
20% Rückgang (Level 3 Trigger) Börsentag Börsentag

Der Halt mit dem Level I oder II kann nur einmal am Tag ausgelöst werden. Wenn der Markt also zum Beispiel vormittags um 7% fällt, wird ein Level 1 Halt von 15 Minuten ausgelöst. Wenn der S&P dann wieder leicht nach oben geht und erneut unter die -7% Marke fällt, dann wird kein erneuter Tradinghalt ausgelöst. Erst wenn die -13% Marke für den Level II Trigger fällt, gibt es einen erneuten Stopp von 15 Minuten.

Die genauen Werte werden einmal im Quartal nach obiger Tabelle festgelegt und gerundet. Der Sinn dieser Regelung ist es, Panik an den Märkten einzudämmen und extreme Abwärtsbewegungen zu dämpfen. Allerdings darf bezweifelt werden, ob dies mit einer solchen Regelung erreichbar ist. Eine Handelsaussetzung wird in den Medien berichtet und könnte die Panik nur noch weiter schüren. Ein Fall aus der Praxis zeigt dies: Am 27. Oktober 1997 kam die "Circuit breaker" Regelung zum ersten Mal an der NYSE zum Einsatz. Nach einem Fall von 350 Dow Jones Indexpunkten folgte eine Handelsaussetzung von 30 Minuten. Nach der Wiedereröffnung fiel der Markt in 20 Minuten um weitere 204 Punkte und löste die zweite Haltebedingung aus. Der deutsche Markt kennt keine derartige Regelung zur Aussetzung des gesamten Marktes.

Ein Orderungleichgewicht (engl. "order imbalance") auf der Kaufs- oder Verkaufsseite ist an der NASDAQ oder an der deutschen Börse im Gegensatz zur NYSE keine ausreichende Tatsache für eine Aussetzung. (Vgl. Kümpel, S., Börsenrecht - eine systematische Einführung, in: Kapitalmarktrecht - Eine Einführung für die Praxis, 2000, S. 80).


Die Aussetzung einer einzelnen Aktie

Die Circuit Breaker Regel muss unterschieden werden von der Handelsaussetzung einzelner Aktien. Dies kann vor wichtigen Meldungen geschehen. Beispiele hierfür sind Übernahmeangebote, bei Biotechnologieunternehmen Nachrichten über eine Medikamentenzulassung oder ähnliches. Eine Untersuchung von Christie, Corwin und Harris aus dem Jahr 2000 kommt zu dem Ergebnis, dass nach einer Wiederaufnahme der Notierung nach einer Handelsaussetzung das Volumen stark ansteigt. An Tagen mit einer Handelsunterbrechung ist bei der entsprechenden Aktie ein Volumenanstieg von ca. 500% im Vergleich zu normalen Handelstagen zu beobachten. Weiterhin ist trotz dieses Liquiditätsanstieges eine deutliche Erhöhung des Spreads zu erkennen, der sich aber nach ca. 20-30 Minuten wieder normalisiert. Christie, Corwin und Harris führen dies auf eine Verunsicherung der Marktteilnehmer zurück, die Risikokosten bilden sich im Spread ab (Vgl. Christie, W. G., Corwin, S. A., Harris, J. H., Et tu, Brute?: The Role and Impact of Trading Halts in the Nasdaq Stock Market, 2000).

Die Phase nach der Wiederaufnahme des Handels bedeutet also ein höheres Risiko für Anleger. Besonders die Verwendung von unlimitierten Market Ordern kann nach der Ausführung zu wesentlichen Abweichungen vom eigentlich erwarteten Preis führen.


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