Die Logik der AON Order

In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit der Problematik der Prioritätsfestlegung von AON (All or nothing) Ordern. Mit dem Orderzusatz AON ("alles oder nichts") können Teilausführungen vermieden werden. Sie können diese Option bei der Aufgabe eines Wertpapierauftrags in der Ordermaske auswählen. Es wird damit bestimmt, dass entweder die komplette Stückzahl in Ihrem Auftrag gefüllt wird oder gar nichts. Allerdings hat diese Orderart in vielen Handelssystemen eine sehr niedrige Priorität, alle anderen unlimitierten und limitierten Aufträge werden ggf. vorher ausgeführt.

Oft sind Trader erstaunt, dass ihre AON Order einfach nicht zum vorgesehenen Preis ausgeführt wird, während andere Umsätze zu diesem Kurs zu sehen sind. Teilweise hört man in sozialen Medien dann Vorwürfe der Marktmanipulation. Das Verhalten liegt aber an der grundsätzlichen Funktionsweise dieser Orderart.

Der Orderzusatz All Or Nothing

Wenn die Banken und Broker für jede Teilausführung eines Auftrages eine gesonderte Gebühr verlangen, ist der AON Zusatz zur Vermeidung dieser Gebühren im Sinne des Anlegers. Durch die vorherige Ausführung aller anderen anstehenden Aufträge kann dem Anleger aber ein Preisnachteil entstehen, der den Vorteil der ersparten Gebühren zunichtemacht.

Eine auf den ersten Blick sinnvolle Lösung wäre es, den AON Aufträgen die gleiche Priorität wie allen anderen Aufträgen zuzuweisen und streng nach dem Preis-/Zeit-Prioritäts Prinzip vorzugehen. Dies könnte aber dazu führen, dass ein großer mit AON markierter Auftrag das gesamte System blockiert, da für ihn kein passender gleich großer Gegenauftrag gefunden werden kann.

Beispiel am Orderbuch

Betrachten wir dazu ein Beispiel eines Orderbuches einer fiktiven Aktie. Links stehen die Mengen und Kurse, zu denen Leute bereit sind, Aktien zu kaufen (Bid Seite), rechts stehen die Verkaufsangebote (Ask).

Bid Size Bid Ask Size Ask
AON 10.000 12,00 € 1.000 12.00 €
500 11,50 € 1.000 12.00 €
300 11,25 € 1.500 12.00 €
100 11,25 € 500 12.25 €
... ... ... ...

Obwohl mehrere vom Preis her gesehen passende Order auf der Briefseite rechts vorhanden sind, können sie aufgrund des AON Zusatzes beim obersten Kaufauftrag (links oben, 10.000 Stück zu 12,00) nicht gegen diesen verrechnet werden. Ohne den AON Zusatz würden 3.500 Stück ausgeführt werden und der Rest von 6.500 aktiv bleiben. Weitere zu 12 eingestellte Kauforder können auf Grund des Zeitprioritätsprinzips nicht vor dem blockierenden 10.000er Auftrag ausgeführt werden. Diese Blockade würde erst gelöst werden, wenn ein Marktteilnehmer einen Verkaufsauftrag von mindestens 10.000 Stück zu 12 € eingibt

Daraus folgt, dass eine Änderung der Priorität der AON Order keinen Sinn macht und zu unnötigen Problemen im System führt. So müssen Sie entweder auf diese Orderart vollkommen verzichten oder den Nachteil der niedrigen Priorität in Kauf nehmen

Fazit

Wenn Sie eher längerfristig anlegen und für Sie die Geschwindigkeit der Orderausführung keine Rolle spielt, so sind die genannten Nachteile für Sie nicht so wichtig. Wenn Sie aber Daytrading betreiben, kann dieses Prinzip für Sie verpasste Gelegenheiten bedeuten. Dazu kommt, dass Sie eigentlich eher mit liquiden Aktien handeln sollten, in denen Sie Ihr gewünschtes Volumen leicht unterbringen können.